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Qualifizieren in Zeiten der Digitalisierung: Studie vergleicht Sicht von HR und Betriebsrat

Wie funktioniert Weiterbildung in Zeiten der Digitalisierung und welche Arten von Qualifizierungen brauchen wir? Hier gehen die Meinungen von HR und Betriebsräten auseinander, wie eine Studie aus Oberösterreich zeigt. 

In dieser Form war es eine Premiere: Erstmals hat eine oberösterreichische Studie die Sichtweisen von Personalverantwortlichen und Betriebsrät:innen auf das Thema Digitalisierung betrachtet. Die Ergebnisse zeigen, dass betriebliche Qualifizierungen den Anforderungen der Digitalisierung aktuell nicht gerecht werden.

Für die Studie „Fit für die Digitalisierung“ hat das Market-Institut im Auftrag der Standortagentur Business Upper Austria rund 300 HR-Verantwortliche und Betriebsräte in Oberösterreich befragt. Deren Sichtweisen auf das Thema Digitalisierung stimmen teilweise überein, gehen aber zuweilen auch weit auseinander. So gibt ein großer Teil der Befragten an, dass sich Kommunikation, Weiterbildung und Qualifizierung sowie der Wert der Arbeit durch die Digitalisierung verändern. Wie stark diese Veränderungen sind, bewerten HR-Verantwortliche und Betriebsräte aber sehr unterschiedlich. 48 Prozent der Personalmanager:innen, aber nur 18 Prozent der Betriebsräte gehen von „starken“ Veränderungen aus. Umgekehrt sehen 26 Prozent der Betriebsräte, aber nur 9 Prozent der HRler keine wirklichen Veränderungen.

Kompetenzen in Zeiten der Digitalisierung

Eine größere Einigkeit besteht bei der Frage, welche Kompetenzen im Zuge der Digitalisierung wichtiger werden. Hier geht es aus Sicht der Befragten insbesondere darum, Kontakt zu halten, auf Distanz zu kommunizieren/führen sowie sich selbst zu organisieren. Die wichtigsten Kompetenzen in der digitalen Arbeitswelt sind somit nicht unbedingt nur technischer Natur.

Welche Kompetenzen gewinnen durch die Digitalisierung an Bedeutung?

Kommunikationsflut als Herausforderung

Als Herausforderung betrachten 68 Prozent der HR-Verantwortlichen und 55 Prozent der Betriebsräte den Umgang mit den vielen Informationen, die im Zuge der Digitalisierung auf das Individuum einprasseln. Information und Kommunikation verändern sich – und Führungskräfte sind stärker gefragt, Bindungen aufzubauen, zu halten und den Teamgeist zu stärken. So sagen 66 Prozent der HRler und 67 Prozent der Betriebsräte, dass durch die Digitalisierung die Anforderungen an die sozialen Kompetenzen von Führungskräften steigen.

Handlungsbedarf bei Qualifizierungen

Welche Qualifizierungen sollte es in den Unternehmen geben, um digitale Kompetenzen aufzubauen? Bezogen auf diese Frage zeigt die Studie eine Diskrepanz zwischen dem derzeitigen und dem erwünschten Qualifizierungsangebot in den Betrieben. An der Spitze der aktuell umgesetzten Weiterbildungsthemen für interne Qualifizierungen stehen Software-Schulungen, Trainings zur Datensicherheit oder andere Einschulungsthemen. Gewünscht sind hingegen Schulungen zu Themen wie Stress, Selbstmanagement, interne Zusammenarbeit und Kommunikation.

Dieses Ergebnis zeigt: Qualifizierung hat in Zeiten der Digitalisierung einen hohen Stellenwert. Doch es geht nicht nur darum, wie Menschen Programme bedienen oder sicher mit Daten umgehen, sondern wie sie kommunizieren, sich organisieren und mit Stress umgehen. Und das Ganze darf nicht nur digital, sondern muss – für besseres Verständnis, für leichtere Umsetzung – auch analog stattfinden. 67 Prozent der Betriebsräte stellen bei den gewünschten Informationsangeboten den Wert des persönlichen Kontaktes in der digitalisierten Arbeitswelt in den Vordergrund.

Welchen Handlungsbedarf gibt es für die Zukunft?

Mehr Zeit für persönliche Gespräche

Auf die Frage, was es braucht, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu bewältigen, geben Personalmanager:innen und Betriebsräte differenzierte Antworten: Neben dem „Grundhygienefaktor“, dass die Systeme funktionieren müssen und eine Erleichterung darstellen, wünschen sich HR-Verantwortliche Mut zum Ausprobieren und „Scheitern dürfen“, ein Vorleben durch die Unternehmensleitung und ein klares Einbeziehen in die digitalen Veränderungsprozesse.

Betriebsräte hingegen wünschen sich mehr Zeit: für persönliche Gespräche mit den Kolleg:innen, mehr Zeit für die eigene Weiterbildung um digitale Veränderungen beurteilen zu können, bezahlte Transferzeiten um Erfahrungswissen weitergeben zu können, Karenzzeiten für Weiterbildung sowie eine klare Vernetzung des Betriebsrates mit anderen Abteilungen und damit Einbeziehung in Veränderungen.

Webtipps

Übersicht über Berufs- und Weiterbildungsförderungen für Oberösterreich 2023
Zusammenfassung der Studie „Fit für die Digitalisierung“

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Christian Mayer

Programmmanager für Arbeitsmarkt & Fachkräfteservice bei Standortagentur Business Upper Austria
Christian Mayer ist Programmmanager für Arbeitsmarkt & Fachkräfteservice bei der Standortagentur Business Upper Austria. Er hat hat die Studie „Fit für die Digitalisierung“ mit der Arbeiterkammer OÖ 2023 fachlich begleitet.