HR-Gespräch: Ingrid Heschl, Microsoft Österreich

Welche Wege führen in das HR-Management? Was begeistert Personalisten und Personalistinnen an ihrem Job – und womit beschäftigen sie sich aktuell? In der Interview-Serie „HR-Gespräch“ stellen wir die Protagonistinnen und Protagonisten des Personalmanagements in Österreich vor. Diesmal haben wir mit Ingrid Heschl, Human Resources Lead bei Microsoft Österreich, über ihre Arbeit in Zeiten der Corona-Krise und ihre Lieblings-HR-Themen gesprochen.

Frau Heschl, Wie geht es Ihnen in Zeiten von Corona?

Zum Glück kann ich sagen, dass meine Liebsten und ich gesund sind und somit geht es mir sehr gut. Wenn ich aktuell meine Arbeit betrachte, muss ich zugeben, dass wir alle auch vor einer total neuen Situation stehen, die anfangs herausfordernd war und es auch noch ist, aber die auch Möglichkeiten und Chancen mit sich bringen, wie wir für unsere Mitarbeiter sorgen und es gibt eine enorme Lernkurve, was das Management von Krisensituationen betrifft.

Wie arbeitet Microsoft Österreich in der Corona-Krise?

Auch wenn wir bereits Profis sind, was“die neue Welt des Arbeitens“ betrifft, hat sich natürlich auch sehr vieles für uns geändert.

Das Thema Homeoffice ist prinzipiell nichts Neues für Microsoft. Jedoch ein durchgängiges,  mehrere Wochen andauerndes Homeoffice aller Mitarbeiter ist Neuland. So haben wir begonnen, längere Meetings zu streichen und anstatt dessen kürzere Abstimmungsmeetings aufgesetzt. So können wir sicherstellen, dass wir agil auf Situationen, egal ob intern oder extern, reagieren können. 

In Krisensituationen ist es enorm wichtig, als Unternehmen den Mut zu haben, Dinge gemeinsam auszuprobieren. Wenn man realisiert, dass es nicht funktioniert, muss man flexibel bleiben, um die Themen wieder zu ändern, wie die Situation oderStruktur es verlangt. Es ist großartig zu sehen, wie offen unsere Mitarbeiter sind, denn wir alle lernen enorm viel in dieser Zeit.  

Was beschäftigt Sie aktuell? Vor welchen Herausforderungen steht die Personalarbeit in Corona-Zeiten?

Die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter steht für uns an erster Stelle. Hier haben wir einige Hebel in Bewegung gesetzt, um sie zu unterstützen. Denn ohne sie wären wir nicht so erfolgreich, wie wir aktuell sind. Insofern ist es uns wichtig, unseren Mitarbeitern in schwierigen Situationen wie dieser etwas zurück zu geben. Deswegen hat Microsoft entschieden, zwei zusätzliche Urlaubswochen zu gewähren, um die Betreuung der Kinder unserer Mitarbeitern bestmöglich zu unterstützen. Tritt der Fall ein, dass die Schul-/Kindergartenschließungen länger andauern, können unsere Mitarbeiter weitere vier Wochen sogenannten „Family Caregiver Leave“ (Familienbetreuungszeit) in Anspruch nehmen. So hoffen wir in dieser herausfordernden Zeit, unseren Mitarbeitern etwas an Last abnehmen zu können.

Eine weitere Herausforderung sehe ich in der Führung, die in Zeiten wie diesen eine Königsdisziplin ist. Unterschiedliche Herausforderungen, Bedürfnisse und Ängste der Mitarbeitern, sei es beruflich oder privat, benötigen ausreichend Raum und Zeit, um durch diese schwierigen Zeiten führen zu können. Eine sehr enge Zusammenarbeit mit Führungskräften zum Thema „Coaching & Caring“ ist eine Priorität von HR. Eine weitere besteht darin, sicherzustellen, dass wir unser Business „up and running“ halten.

Sie arbeiten seit sechs Monaten bei Microsoft. Was hat Sie an dieser Position gereizt?

Microsoft ist ein Vorreiter im modernen HR-Management. Es gibt wenige Unternehmen, die mit so modernen HR-Methoden und -Tools arbeiten, wie etwa in der strategischen Talentplanung oder im Bereich HR Analytics. Daher fand ich die Position sehr spannend. Sie ist ein Lernfeld für mich. Auch mit der Kultur und den Werten, die Microsoft lebt, kann ich mich sehr gut identifizieren. Daher bin ich echt begeistert, ein Teil davon zu sein.

Einer Ihrer inhaltlichen Schwerpunkte ist Diversity & Inclusion. Woran arbeiten Sie konkret?

Hier gibt es aktuell zwei Schwerpunkte: Zum einen bauen wir gerade ein Programm auf, um das Bewusstsein für die unbewussten Vorurteile, die jeder von uns hat, hinzuweisen und. Zum anderen überlegen wir gerade, wie wir uns im Recruiting noch weiter öffnen können – zum Beispiel auch, um Menschen mit Behinderungen besser zu erreichen. Ein weiteres Thema im Recruiting ist der Frauenanteil, den wir weiter heben wollen. Aktuell haben wir einen Frauenanteil von 37 Prozent, bei Führungspositionen sind es 30 Prozent. Das sind für ein IT-Unternehmen schon recht gute Werte. Aber wir wollen das weiter steigern.

Wie wollen Sie den Frauenanteil konkret heben?

Bei jeder Suche berücksichtigen wir immer auch Profile von Frauen. Darüber hinaus ist es uns wichtig, dass wir ein Arbeitsumfeld vorleben, welches Männern ermöglicht, in Karenz zu gehen oder Elternteilzeit in Anspruch zu nehmen, so dass Frauen auch in die Arbeit zurückkehren und Karriere machen können, wenn Sie das wollen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die New World of Work. Was bedeutet der Begriff für Sie?

Es geht darum, die Arbeitsbedingungen der sich wandelnden Welt anzupassen. Wir machen uns Gedanken darüber, wie ein Arbeitsplatz und die Zusammenarbeit in zehn Jahren ausschauen können. Hier geht es um Themen wie Inklusion und Flexibilität. Wir beschäftigen uns zum Beispiel mit internationalen Studien, um herauszufinden, was die verschiedenen Generationen brauchen. Die Frage ist: Welches Arbeitsumfeld müssen wir schaffen, damit wir attraktiv bleiben und einen Beitrag in unserer Gesellschaft leisten? 

Ganz klassisch oder über Umwege: Wie sah Ihr Weg ins Personalwesen aus?

Eher über Umwege. Nach der Schule habe ich zunächst eine Lehre als Bürokauffrau gemacht. Anschließend nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und habe mir einen Traum erfüllt: Ich bin für ein Jahr nach Amerika ausgewandert. Als ich zurückkam, war für mich klar, dass ich in einem internationalen Konzern arbeiten wollte. Das hat auch funktioniert – und zwar bei Samsung Electronics Austria.

Ab 2004 habe ich eher zufällig den Weg in das Personalwesen gefunden. Da es im Unternehmen keine HR-Abteilung gab, habe ich administrative Personalagenden mit erledigt. Als wir dann HR aufgebaut haben, wurde mir dann klar, dass ich mich dort absolut wiederfinde und mehr über das Personalwesen wissen möchte. So kam es, dass ich seit 2004 im HR-Wesen tätig bin. In diesen ersten Jahren habe ich viele Bereiche kennen gelernt – Administratives und Operatives, das gesamte Spektrum von Recruiting über Talentmanagement bis hin zu Comp &Ben. Je länger ich dabei war, desto stärker kamen strategische Themen dazu. Nach ein paar Jahren dachte ich dann, dass ich mir gerne die Theorie zur Praxis anschauen möchte. 2008 war das.  Daher habe ich die Studienberechtigungsprüfung abgelegt, um dann an der FHWien der WKW berufsbegleitend HR-Management zu studieren. 2013 schloss ich das Studium ab. Mein Weg verlief also über Umwege – aber als ich mit HR in Berührung kam, war für mich klar, dass es das ist, was ich machen möchte.

Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit?

Im Endeffekt ist es, gemeinsam mit der Führungsebene eine erfolgreiche Organisation zu bilden – mit allem, was damit einhergeht. Dann natürlich auch, ein Team zu haben, das mit Freude an der Sache arbeitet. Es begeistert mich, zu sehen, wie wichtig HR in einer Organisation ist. Denn „A company is its people“. HR hat so viele Aspekte. Sie alle zu berücksichtigen, um eine gemeinsame Kultur zu entwickeln, das begeistert mich.

Und was nervt im Job?

Wenn administrative HR-Abläufe, nicht funktionieren. Das nervt mich tatsächlich. Natürlich lassen sich immer Dinge verbessern und es gibt nie eine 100-prozentige Perfektion. Aber wenn es nicht rund läuft, dann nervt mich das sehr.

Wo sieht man Sie, wenn Sie gerade mal nicht arbeiten?

Ich verbringe gerne Zeit mit Familie und Freunden. Das bedeutet für mich, Energie zu tanken. Und wenn ich das noch in der Natur machen kann, dann geht mein Herz auf. 

Interview: Bettina Geuenich

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Ingrid Heschl

Human Resources Lead bei Microsoft Österreich | https://www.microsoft.com/de-at
Ingrid Heschl ist Human Resources Lead bei Microsoft Österreich. Zu Ihren Arbeitsschwerpunkten gehören die Themen Diversity & Inclusion sowie New World of Work.