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Wie agil sind Österreichs Unternehmen?

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Wie agil sind Österreichs Unternehmen?

In österreichischen Unternehmen gibt es beim Thema Agilität noch Luft nach oben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von PwC Österreich. Luka Petek, Manager und Agile Lead bei PwC Österreich, erklärt im Interview, wann agile Arbeitsweisen einen Mehrwert bieten und wie Organisationen in das Thema einsteigen können.

Herr Petek, wie verbreitet ist agiles Arbeiten in Österreich aktuell?

Agiles Arbeiten ist in Österreich zunehmend verbreitet, besonders in IT, Bankwesen, Telekommunikation und bei Unternehmen in digitaler Transformation. Der Grad der Agilität variiert jedoch je nach Branche. Obwohl Agilität in Österreich noch nicht so weit entwickelt ist wie in anderen DACH-Ländern, ist ein positiver Trend erkennbar. Unternehmen bewegen sich von experimentellen Ansätzen hin zu strategisch skalierten, agilen Arbeitsweisen.

In welchen Bereichen kommen agile Methoden aktuell überwiegend zum Einsatz? 

Unsere Studie zeigt, dass etwa 70 Prozent der Unternehmen Agilität hauptsächlich als Instrument für Kultur/Mentalität, im Governance- und Managementbereich oder als Innovationshebel ansehen. Dies ist ein Wandel gegenüber der vorrangigen Nutzung als Softwareentwicklungsansatz, die nur noch 15 Prozent der Unternehmen als Hauptanwendung betrachten. Agilität wird also zunehmend als Managementansatz und Denkweise mit breiterem Anwendungsbereich verstanden. Interessanterweise erkennen über zehn Prozent der Unternehmen Agilität als einen Aspekt der Transformation – fast doppelt so viele wie vor zwei Jahren. Die tatsächliche Umsetzung erfolgt überwiegend in digitalen Projekten, bei der Einführung neuer Dienste sowie in Proof-of-Concepts und Pilotprojekten.

Wie fit sind die Unternehmen beim Thema Agilität?

Unternehmen in Österreich zeigen beim Thema Agilität einen mittleren Reifegrad, den wir auf einer Skala von 1 bis 5 mit etwa 2 bis 3 bewerten würden. Wir haben intern ein Tool entwickelt, das den agilen Reifegrad der Unternehmen anhand eines bestimmten Branchenbenchmarks misst. Die Studie zeigt uns, dass die Unternehmen über das Experimentieren hinausgehen, zunehmend agile Arbeitsweisen implementieren und Agilität auch als Teil der Strategie des Unternehmens mitdenken. Diese Entwicklung ist jedoch im Vergleich zu den DACH-Ländern oder global gesehen noch langsam. Dies wird der traditionellen österreichischen Arbeitskultur zugeschrieben, die häufig als größtes Hindernis für Agilität gesehen wird. Während österreichische Unternehmen Fortschritte machen, sind deutsche Konzerne in der Agilitätstransformation ihrer Abteilungen und großen Teams oft weiter fortgeschritten.

Welche Vorteile bringen agile Methoden? 

Agile Methoden bieten vielfältige Vorteile, je nach Einsatzgebiet. In der Produktentwicklung ermöglichen sie eine schnellere Markteinführung und steigern die Kundenzufriedenheit, da der Fokus auf dem bestmöglichen Kundenerlebnis liegt. Dies resultiert oft in höheren Umsätzen. Agile Ansätze reduzieren Risiken und vermeiden Budgetverschwendung durch iteratives Vorgehen. Sie bieten zudem eine hohe Anpassungsfähigkeit an Änderungen von Stakeholdern, Endbenutzern oder Marktbedingungen.

Diese Vorteile übertragen sich auch auf andere Geschäftsbereiche. Im Finanzwesen ermöglicht agile Budgetierung die fortlaufende Priorisierung wertstiftender Initiativen, wodurch das Budget effizienter eingesetzt wird. In Teams führt der Wandel hin zu funktionsübergreifenden Gruppen zu zentralisierter Entscheidungsfindung und Fokussierung auf einzelne Produkte oder Dienstleistungen.

In der Personalabteilung können Unternehmen durch agile Methoden die Mitarbeitererfahrung optimieren. Die Betrachtung der Belegschaft als interne Kunden und die Fokussierung auf deren Bedürfnisse führt zu verbesserten Mitarbeiterreisen von der Anwerbung bis zur Bindung. Stichwort – Mitarbeiterzufriedenheit. Insgesamt sind die Vorteile von Agilität umfassend und beeinflussen verschiedene Aspekte eines Unternehmens positiv.

In welchen Bereichen lassen sich agile Methoden nicht einsetzen oder sind sogar schädlich?

Agile Methoden sind grundsätzlich in vielen Branchen und Bereichen anwendbar, doch der Erfolg hängt stark von der Intention und dem Kontext ihres Einsatzes ab.

Es kommt immer auf den Grund an, warum man überhaupt agiler sein möchte. Soll es Ihren Umsatz steigern? Bessere Produkte liefern? Mit innovativeren Lösungen die Konkurrenz schlagen? Um eine glücklichere Belegschaft zu haben? Resilienter gegenüber den Veränderungen und Unsicherheiten am Markt sein? Ja. Alles triftige Gründe.

Ich glaube nicht, dass es Geschäftsbereiche oder Branchen gibt, in denen Agilität ein Tabu-Thema ist; Wir haben Regierungsbehörden und Bauunternehmen konsultiert, agile Bankprüfungen durchgeführt und vieles mehr.

Probleme treten jedoch auf, wenn Agilität als Allheilmittel für schlechtes Management, schlechte Entscheidungsfindung oder eine mangelhafte Unternehmenskultur eingesetzt wird. In solchen Fällen kann Agilität mehr Schaden als Nutzen anrichten. Ich glaube, dass Elemente der Agilität überall funktionieren können, wichtig ist, dass Agilität als Lösungsansatz für legitime Herausforderungen eingesetzt wird und nicht als universelles Werkzeug ohne spezifische Zielsetzung.

Was sind typische Probleme bei der Einführung von Agilität?

Bei der Einführung von Agilität sind typische Probleme die kulturelle Diskrepanz, bei der die existierende Unternehmenskultur nicht mit agilen Prinzipien übereinstimmt, und der Widerstand gegen Veränderungen. Ein weiteres Hindernis ist das Fehlen einer starken Beteiligung des Managements, was für die erfolgreiche Implementierung agiler Methoden entscheidend ist. Häufig versuchen Unternehmen, Agilität im großen Stil ("Big-Bang-Ansatz") einzuführen, anstatt klein zu beginnen und schrittweise zu skalieren.

Eine falsche Umsetzung von Agilität kann zu Chaos, Intransparenz und widersprüchlichen Ansätzen in der Unternehmensführung führen. Dies geschieht oft, wenn Experten eine allgemeine Methode empfehlen, die jedoch nicht zum organisatorischen Aufbau des Unternehmens passt.

Ein weiteres Problem ist die bloße Umbenennung traditioneller Rollen in agile Rollen, ohne dass die tatsächliche Funktion und Bedeutung dieser Rollen verstanden und gelebt wird. Laut unserer Studie zählen der Mangel an agilen Fähigkeiten, traditionelle Kulturen und der Widerstand gegen Veränderungen zu den größten Hindernissen für Agilität, gefolgt von mangelnder Unterstützung durch das Top-Management.

Um Agilität erfolgreich einzuführen, ist ein vielschichtiges Verständnis erforderlich, das sowohl von oben nach unten als auch von unten nach oben funktioniert (ihr agiler ‘DNA), frühzeitiges Engagement des Topmanagements erfordert und sicherstellt, dass das angewandte Modell kundenspezifisch ist und jede Organisationsebene versteht, wie sich dies auf ihre Arbeitsweise auswirkt.

Welche Tipps können Sie Unternehmen für den Start in das agile Arbeiten mit auf den Weg geben? 

Für Unternehmen, die mit Agilität starten möchten, ist es wichtig, zunächst die Gründe und Ziele für die Einführung von Agilität zu definieren. Fragen Sie sich, welchen Nutzen Sie aus Agilität ziehen möchten. Starten Sie dann mit kleinen Schritten, indem Sie ein Projekt oder eine Geschäftsinitiative als Pilotprojekt wählen. Wenn dieses erfolgreich ist und die gewünschten Ergebnisse liefert, können Sie die Methoden auf größere Bereiche ausweiten.

Beziehen Sie die Unternehmensleitung von Anfang an mit ein und erkennen Sie, dass agiles Arbeiten eine umfassende Anpassung der Arbeitsweisen und Leistungsmessung erfordert. Dies beinhaltet eine Veränderung der Unternehmenskultur und Denkweise, die sich auf Wertschöpfung und Kundenzufriedenheit konzentriert, wobei Ihre Mitarbeiter als "interne Kunden" berücksichtigt werden sollten.

Wählen Sie ein agiles Modell, das zu Ihrem Unternehmen passt, und ziehen Sie Experten zur Beratung heran. Dies sollte so gestaltet werden, dass Sie langfristige interne Kompetenzen aufbauen, die von Anfang an einen Wissenstransfer ermöglichen. Beziehen Sie auch HR, Rechnungswesen und Controlling in den Prozess ein, nicht nur Business und IT. So erreichen Sie eine ganzheitliche Transformation, die Ihr Unternehmen auf zukünftige Unsicherheiten vorbereitet.

Und zu guter Letzt: Trauen Sie sich, irgendwo klein zu beginnen. Fehler sind Teil des Lernprozesses und tragen langfristig zum Erfolg bei.

Interview: Bettina Geuenich

Über die Studie

Die Studie zum Status quo der Agilität in österreichischen Unternehmen wurde 2021 das erste Mal und nun 2023 zum zweiten Mal von PwC Österreich gemeinsam mit dem Project Management Institute (PMI) Austria durchgeführt. Dabei wurden im Zeitraum Juni bis August 2023 52 Personen im Rahmen einer Online-Umfrage befragt.

Die gesamte Studie zum Download finden Sie hier: https://link.pwc.at/PMI-2023-de