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Megatrends im Unternehmen: Von der Analyse zur Aktion

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Megatrends im Unternehmen: Von der Analyse zur Aktion

In der heutigen dynamischen Wirtschaftswelt gewinnen Megatrends zunehmend an Bedeutung. Diese weitreichenden, globalen Entwicklungen beeinflussen alle Branchen und Märkte und stellen damit eine zentrale Säule für die langfristige Ausrichtung von Unternehmen dar. Sie müssen diese Megatrends nicht nur frühzeitig erkennen und richtig interpretieren, sondern sie auch als Grundlage für zukunftsorientierte Unternehmensstrategien nutzen.

Das Zukunftsinstitut hat zwölf Megatrends identifiziert, die als fundamentale und langfristige Veränderungsprozesse tiefgreifende Auswirkungen auf verschiedene gesellschaftliche Ebenen haben. Sie ermöglichen es, die komplexen und vielfältigen Entwicklungen in der Welt verständlicher zu machen. So erfasst der Megatrend New Work beispielsweise die Zukunft der Arbeit, der Megatrend Gesundheit fokussiert auf das zentrale Lebensziel des Wohlergehens und der Megatrend Globalisierung beinhaltet die zunehmenden internationalen Abhängigkeiten. Vier spezifische Merkmale heben Megatrends von anderen Trendentwicklungen ab:

  • Dauer: Megatrends haben eine Dauer von mehreren Jahrzehnten.
  • Ubiquität: Megatrends wirken in alle Lebensbereiche.
  • Globalität: Megatrends manifestieren sich als globale Phänomene.
  • Komplexität: Die Komplexität von Megatrends resultiert aus der Anzahl und der Verknüpfung von Veränderungsbewegungen.

Megatrends bestimmen die Wirtschaftswelt von morgen. Daher müssen Unternehmen sie in ihren Strategien berücksichtigen. Dabei geht es nicht nur um die Ausrichtung der Geschäftsmodelle und -prozesse. Organisationen müssen auch Talente gewinnen und entwickeln, die in der Lage sind, diese Geschäftsmodelle umzusetzen. In einer Welt, in der Veränderung die einzige Konstante ist, wird die Fähigkeit, Megatrends zu nutzen, für Unternehmen entscheidend sein, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben und nachhaltigen Erfolg zu sichern.

Trendidentifikation und Deutung
Der erste Schritt besteht darin, jene Megatrends zu identifizieren und zu analysieren, die für das Unternehmen und die jeweilige Branche besonders relevant sind. Denn nicht jeder Megatrend betrifft alle Organisationen gleichermaßen. Das Zukunftsinstitut hat mit dem Megatrend Research eine belastbare und anwendbare Zukunftsforschung entwickelt, die es ermöglicht, in einem umfassenden Forschungsprozess datenbasierte Ergebnisse zu erhalten. Hier spielen unter anderem moderne Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) und Big-Data-Analysen eine wesentliche Rolle. Diese Tools ermöglichen es, große Datenmengen effizient zu verarbeiten und Muster zu erkennen, die aufkommende oder sich entwickelnde Trends anzeigen könnten.

Die PWLG-Analyse (kurz für Politik, Wirtschaft, Legitimation und Gemeinschaft) bietet dabei einen systematischen und mehrdimensionalen Ansatz zur Klassifizierung und Analyse von Daten. Sie berücksichtigt folgende Subsysteme der Gesellschaft:

  • Politik: Dieses Subsystem legt die Rahmenbedingungen für die Gesellschaft fest und setzt sie um (über Legislative, Exekutive, Judikative, Bürokratie).
  • Wirtschaft: Sie organisiert die Produktion und die Verteilung von Ressourcen (Produktion, Dienstleistung, Technologie, Information, Finanzen).
  • Legitimation: Zu diesem Subsystem zählen Instanzen und Konzepte, die Grundlagen und Annahmen einer Gesellschaft festlegen und unterstützen (wie Wissenschaft, Religion, Grundrechte, Grundannahmen).
  • Gemeinschaft: Dieses Subsystem beinhaltet und betrifft die kulturellen und sozialen Aspekte einer Gesellschaft (wie Kunst, Bildung, Öffentlichkeit, NGOs).

Mithilfe der PWLG-Analyse können Unternehmen somit untersuchen, wie sich Trends in den vier Subsystemen der Gesellschaft zeigen und auf diese auswirken. Dabei berücksichtigt die Analyse auch den Faktor Globalität, untersucht also, in welcher Intensität und Ausformung Trends international spürbar sind.

Grundlage der Datenerhebungen für die Analyse sind unterschiedliche Medientypen. Das können wissenschaftliche Fachzeitschriften und Artikel von Forschungsinstituten sein, aber auch Beiträge von Positionierungsmedien wie Thinktanks oder Netzwerke, die bestimmte Themen setzen. Weitere Quellen sind Anwendungsmedien wie Fachzeitschriften oder Beratungen, die vielfach Empfehlungen für praktische Umsetzungen geben. Eine vierte wichtige Datenquelle sind Medien mit hoher Reichweite wie Tagesmedien und andere Journalismusformate wie Podcasts.

Wie eine solche Analyse wirkt, zeigt das Beispiel der künstlichen Intelligenz: Während nach alter Trendforschungslogik (zum Beispiel über eine PESTEL-Analyse) eine KI eindeutig der Ebene der Technologie zugeordnet wird, lässt sich die PWLG-Logik dazu nutzen, einen systemischen Blick auf das Thema zu bekommen. Sie zeigt, wie vielschichtig die Auswirkungen von KI auf Politik, Wirtschaft, Legitimation und Gemeinschaft sind. Für die Politik gilt es, Rahmenbedingungen für KI zu schaffen, die Forschung zu fördern und ethische und sicherheitsrelevante Aspekte zu berücksichtigen. Fragen des Datenschutzes, der Überwachung und der Autonomie von KI-Systemen sind politisch brisant. Zudem entscheidet die Politik über den Einsatz von KI in öffentlichen Diensten, bei der nationalen Sicherheit und im Justizwesen. In der Wirtschaft ermöglicht KI neue Geschäftsmodelle und Effizienzsteigerungen beziehungsweise Automatisierungen, bringt aber auch Herausforderungen durch politische Regulierungen, insbesondere im Datenschutz mit sich.

Politische Entscheidungen prägen die Wirtschaft maßgeblich, besonders im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Die Frage, wie ethisch und rechtlich mit KI umgegangen wird, definiert ihre Anwendungsgrenzen. Denn die Akzeptanz des politischen und wirtschaftlichen Systems hängt stark davon ab, wie ethische Standards in der KI-Regulierung beachtet werden. Diese Diskussion in der Wissenschaft nimmt gerade erst an Fahrt auf. KI beeinflusst nicht nur die Arbeitswelt und die erforderlichen Qualifikationen, was wiederum Bildungseinrichtungen beeinflusst, sondern steuert auch Medieninhalte und öffentliche Meinung durch Algorithmen. NGOs und zivilgesellschaftliche Organisationen spielen eine wichtige Rolle, indem sie ethische und soziale Fragen rund um KI in den Fokus rücken.

Wenngleich dieses Beispiel nur exemplarisch ist und die Verzahnungen zwischen den Subsystemen nur in Ansätzen wiedergibt, zeigen diese Ausführungen die Potenziale der PWLG-Analyse auf, Abhängigkeiten und Interdependenzen von Subsystemen darzustellen. „Die Verzahnung dieser vier Subsysteme im Kontext der künstlichen Intelligenz zeigt, wie komplex und vielschichtig die Herausforderungen in diesem Bereich sind“ (Megatrend Research 2023).

Die Anwendung der PWLG-Analyse ermöglicht es Unternehmen daher, ihre strategischen Entscheidungen auf einer soliden Basis von fundierten Erkenntnissen aufzubauen und falsche, lineare Annahmen sichtbar zu machen. Indem sie einen tiefen Einblick in die Richtung und Dynamik von Megatrends erhalten, sind sie besser vorbereitet, um auf Veränderungen zu reagieren, innovative Lösungen zu entwickeln und sich in der globalen Wirtschaft erfolgreich zu positionieren.

Doch auch wenn Unternehmen keinen Zugriff auf digitale Analysetools wie die PWLG-Analyse haben, können sie versuchen, blinde Flecken aufzudecken, um solide Zukunftsentscheidungen zu treffen. Folgende Fragen sind in diesem Zusammenhang hilfreich:

  • Welchen regionalen Fokus müssen meine Daten haben? Benötige ich globale Informationen oder fokussiere ich mich auf ein lokales oder nationales Problem?
  • Habe ich alle vier Subsysteme der Gesellschaft (PWLG) berücksichtigt? Auf welches Subsystem fokussiere ich mich aktuell besonders stark? Welche Beziehungen zwischen Politik, Wirtschaft, Legitimation und Gemeinschaft sind für meine Fragestellung relevant?
  • Aus welchen Medientypen erhalte ich meine Informationen? Befinde ich mich in einer medialen Blase? Wo kann ich noch weitere Quellen finden, die mir einen Erkenntnisgewinn liefern?

Es ist entscheidend, dass Unternehmen die Fähigkeit entwickeln, Veränderungen und Entwicklungen nicht nur zu erkennen, sondern auch deren potenzielle Auswirkungen auf ihr Geschäftsfeld zu verstehen. Für die tiefergehende Verbindung zwischen dem Außen und dem Innen einer Organisation ist die Future Business Map (siehe Webtipps) ein effektives Instrument, um zu verstehen, wie Trends in zukünftige Geschäftsentwicklungen integriert werden können.

Von der Analyse zur Umsetzung
Nachdem ein Unternehmen relevante Megatrends identifiziert hat, steht es vor der komplexen Herausforderung, Trends in konkrete umsetzbare Handlungen zu übersetzen. Dieser Schritt erfordert eine tiefgreifende Integration und Einbindung aller Unternehmensebenen, von der Geschäftsführung bis hin zu den operativen Teams. Eine enge Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen verschiedenen Abteilungen und Teams ist dabei unerlässlich, um sicherzustellen, dass die gesamte Organisation in die gleiche Richtung arbeitet. Generell sind fünf Zukunftstreiber zu beachten, um relevante Handlungen abzuleiten:

  • Information: Wissen, das ein Absender einem Empfänger vermittelt.
  • Kennzahlen: Quantitativer Indikator, der den Erfolg eines Prozesses oder Systems misst.
  • Macht: Möglichkeit, Einfluss auf Entscheidungen, Verhaltensweisen und Ereignisse auszuüben.
  • Technologie: Anwendung von Wissenschaft und Engineering, um Problemlösungen zu entwickeln.
  • Energie: Körperliches und mentales Vermögen, Arbeit zu verrichten.

Unternehmen sollten zunächst analysieren, wie sie die fünf Zukunftstreiber aktuell nutzen. Wie gehen sie mit Informationen um? Wie arbeiten sie mit Kennzahlen und wie verwenden sie Technologien? Wie schauen ihre Machtstrukturen aus und wie ist der Energielevel von Individuen und Teams der Organisation? Aufbauend auf diese Analysen können sie festlegen, wie sie die Zukunfts-
treiber künftig sinnvoller nutzen können – und erste Schritte ableiten. Auf Basis der unverzichtbaren bestehenden Elemente können sie dann eruieren, wie sie in Zukunft agieren wollen.

Dabei ist es wichtig, einen iterativen Prozess zu verfolgen und die Strategien und Aktivitäten regelmäßig zu überprüfen und anzupassen. Wir sprechen davon, in Übergängen (Transitions) zu arbeiten. Angesichts der sich ständig verändernden Natur von Megatrends sind Agilität und Flexibilität in der Umsetzung entscheidend. Diese Fähigkeiten ermöglichen es Unternehmen, auf neue Entwicklungen und Veränderungen im Marktumfeld zeitnah zu reagieren und so sicherzustellen, dass sie die Chancen, die Megatrends bieten, voll ausschöpfen und sich langfristig erfolgreich positionieren. Wer zu lange am Althergebrachten festhält, wird eine zunehmend volatilere Aussicht auf Erfolg haben.

// FAZIT
Megatrends sind kein Hype, sondern globale Entwicklungen, die für Unternehmen von zentraler Bedeutung sind. Organisationen, die in der Lage sind, sie fundiert zu analysieren und darauf zu reagieren, werden sich auch in einem volatilen Wirtschaftsumfeld behaupten und erfolgreich sein. Megatrend Research ist daher nicht nur ein Instrument zur Trendanalyse, sondern ein entscheidender Baustein für die zukunftsorientierte Unternehmensführung. Die belastbaren Ergebnisse helfen dabei, Fähigkeiten zu entdecken, Chancen und Risiken frühzeitig zu erkennen, strategische Entscheidungen fundiert zu treffen und Wettbewerbsfähigkeit langfristig sicherzustellen.

// AUTOREN
Stefan Tewes
Gesellschafter des Zukunftsinstituts und Professor für digitale Transformation und Innovation


Harry Gatterer
Trend- und Zukunftsforscher, Geschäftsführer und Gesellschafter des Zukunftsinstituts

Quelle: Dieser Artikel stammt aus der personal manager Ausgabe 1/24