Newsletter

Melden Sie sich hier zu unserem kostenlosen Fachnewsletter mit Beiträgen passend für Österreich an: 

  • personal manager Fachwissen & Events (Tanken Sie aktuelles Fachwissen zu Personalthemen, bleiben Sie auf dem aktuellen Stand und erfahren Sie mehr über spannende HR-Events.)
  • personal manager Werben & Inserieren (Informieren Sie sich über die Werbemöglichkeiten der Fachzeitschrift personal manager digital und print mit aktuellen Angeboten. Verpassen Sie keine Deadline.)
Newsletter

Mit dem Klicken des "News erhalten"-Buttons bestätigen Sie, dass Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen gelesen und akzeptiert haben.

Betriebskindergarten: So entlastet Kellner & Kunz Eltern

Betriebskindergärten sind für berufstätige Eltern attraktiv, aber lohnt sich der Aufwand für Unternehmen? Laetitia Asamer ist davon überzeugt. Sie leitet im zwölften Jahr das Personalmanagement bei der Kellner & Kunz AG, für die sie seit April 2026 zudem die Prokura hat. Das Großhandelsunternehmen liefert Schrauben, Werkzeuge und Befestigungsteile an Industrieunternehmen und Handwerksbetriebe. 2020 errichtete Kellner & Kunz mitten in der Pandemie einen Betriebskindergarten im oberösterreichischen Wels. Welche Herausforderungen das Projekt mit sich brachte und wie es auf das Unternehmen einzahlt, beschreibt sie im Interview. 

Frau Asamer, was war der Anlass für die Beschäftigung mit einem Betriebskindergarten?

Der Bedarf war einfach da. Eine interne Umfrage hatte ergeben, dass dieser Schritt notwendig war. Am Standort gab es viel zu wenige Betreuungsplätze. Nur 16 Prozent der Kinder unter drei Jahren hatten von der öffentlichen Hand das Angebot für eine Betreuung bekommen. Rund 30 unserer Mitarbeitenden – also fast zehn Prozent der Belegschaft in Wels – wollten einen Betriebskindergarten nutzen. Dem Gesetz nach haben Eltern nur einen Anspruch darauf, nach der Geburt eines Kindes zwei Jahre von der Arbeit freigestellt zu werden. Daher gibt es eine große Lücke zwischen dem zweiten und dem dritten Geburtstag.

Sie haben den Bau im Jahr 2020 aufgenommen, also während der Corona-Lockdowns. Das waren unsichere Zeiten, auch wirtschaftlich.

Ja, das stimmt. Um Platz für den Kindergarten zu schaffen, haben wir eine sanierungsbedürftige Halle auf unserem Gelände weitgehend abgetragen, nur der Keller blieb bestehen. An dieser Stelle wurde dann das neue Gebäude errichtet. Wir hätten die Bauarbeiten durchaus noch stoppen können, als die Lockdowns kamen. Doch unsere Geschäftsleitung hat langfristig gedacht: Wir wollen unsere Mitarbeitenden unterstützen. Und eine moderne Arbeitswelt, die Rücksicht auf die Lebensphasen nimmt, beginnt für uns bei den Jüngsten. Deshalb haben wir das durchgezogen. Nach wenigen Monaten war der Neubau auf der grünen Wiese fertig, eine kleine Oase mitten im Industriegebiet.

Foto: Kellner & Kunz AG

Vom Erkennen des Bedarfs bis zur Eröffnung hat es knapp zwei Jahre gedauert. Wie viele Betreuungsplätze konnten Sie schaffen?

Eins vorweg: Betreut wird der Kindergarten vom Diakoniewerk Oberösterreich, als Großhandelsunternehmen können wir das ja gar nicht selber machen. Bei der Eröffnung gab es eine Gruppe für Drei- bis Sechsjährige und eine Krabbelgruppe für Kinder ab dem zwölften Lebensmonat. Mittlerweile ist eine zweite Krabbelgruppe dazugekommen, insgesamt werden jetzt 42 Kinder betreut. Für viele Mitarbeitende ist das eine spürbare Entlastung im Alltag. Wir kooperieren mit der Stadt Wels. Einen der Betreuungsplätze können wir aktuell der Stadt zur Verfügung stellen. Aber der Bedarf wäre auch hier noch deutlich höher.

Welche Herausforderungen bringt der Betrieb eines Betriebskindergartens mit sich?

Da kommt schon einiges zusammen. Beispielsweise gibt es gesetzliche Vorgaben, nach denen wir für die drei Gruppen rund 900 Quadratmeter Gartenfläche anlegen mussten. Und wir beschäftigen ausgebildete Elementarpädagoginnen und -pädagogen, denn wir wollen den Kindern nicht nur eine Betreuung bieten, sondern eine hochwertige pädagogische Begleitung. Der finanzielle Aufwand ist hoch. Es ist fast unmöglich, eine Kinderbetreuungseinrichtung kostendeckend zu betreiben – besonders dann, wenn man die Elternbeiträge bewusst niedrig hält.

Foto: Kellner & Kunz AG

Lohnt sich dieser Aufwand denn?

Die Entscheidung war auf jeden Fall richtig, die Investition zahlt sich aus. Außerdem ist die Förderung der Kinder als die nächste Generation integraler Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie. Unsere Mitarbeitenden fühlen sich durch unseren Einsatz unterstützt, Familien werden entlastet. Viele Mütter können nach der Karenz schneller und mit mehr Stunden in ihren Beruf zurückkehren.

Seit 2017 führen Sie das staatliche Gütezeichen für eine familienfreundliche Personalpolitik. Wie hat Sie der Zertifizierungsprozess dabei unterstützt, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern?

Das Bundesministerium für Familie, Jugend und Frauen hat verschiedene Handlungsfelder zusammengestellt, durch die es uns in einem Prozess begleitet. Es geht darum, Arbeitsbedingungen zu verbessern, eine familienorientierte Personalpolitik zu etablieren und daraus die richtigen Vorgehensweisen abzuleiten.

In den ersten Jahren haben wir uns sehr stark um die Arbeitszeitmodelle gekümmert. Im Austausch mit den Auditoren wurde Teilzeit im Schichtbetrieb und Jobsharing im Vertriebsinnendienst eingeführt. Außerdem haben wir viel in die Digitalisierung gesteckt, gerade unser Außendienst kann unabhängig vom Arbeitsort tätig sein. Unsere Homeoffice-Regelung blieben nach Corona bestehen. Aber Flexibilität ist nicht alles. Topsharing machen wir auch: Während meiner eigenen Karenz habe ich mir die Führungsposition mit einer Stellvertretung geteilt.

Auf das Thema Karenz haben Sie insgesamt besonderes Augenmerk gelegt, stimmt’s?

Ja, mit dem Management von Auszeiten haben wir uns sehr ausführlich beschäftigt. Wir haben einen Leitfaden entwickelt, wie man Auszeiten strukturiert und die Rückkehr an den Arbeitsplatz gestaltet. Eine App und unsere Mitarbeitendenzeitschrift tragen dazu bei, dass karenzierte Personen während ihrer Auszeit mit uns im Kontakt bleiben können.

In der Summe haben wir die Erfahrung gemacht: Am meisten wissen es die Kolleginnen und Kollegen zu schätzen, wenn wir passgenaue Modelle mit ihnen gemeinsam entwickeln, auch bei einer eingeschränkten Verfügbarkeit. Deshalb versuchen wir nicht, mit der Gießkanne eine Lösung für alle zu finden.

Ihre Anstrengungen wurden kürzlich ausgezeichnet, sogar doppelt.

Das stimmt. Kununu, die Online-Plattform für Arbeitgeberbewertungen, hat uns das neu eingeführte Top-Rated-Siegel für Familienfreundlichkeit verliehen. Das bekommen gerade einmal drei Prozent der Unternehmen auf Kununu, wenn die Mitarbeitenden ihre Zufriedenheit mit der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben als besonders hoch bewerten. Und beim Best Recruiters Award wurden wir mit Gold ausgezeichnet. Das steht für eine konsequente Weiterentwicklung gerade bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in unterschiedlichen Lebensphasen und zeigt: Bei uns fühlen sich alle Bewerberinnen und Bewerber willkommen – unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft und Lebenssituation.

Interview: Markus Düppengießer

Sharing is caring
Profile picture of Markus Düppengießer

Markus Düppengießer

Markus Düppengießer arbeitet als freier Journalist und Lektor für Fachmedien aus den Bereichen Gesundheit und Personalwesen, eine Straßenzeitung und eine Kinderzeitung. Seit 2022 schreibt er regelmäßig für den personal manager. Zudem ist er Dozent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. (Foto: © Pia Hertel Photography)